Ein Arzt hält eine Pille in seinen Fingern, die von einem Handschuh geschützt sind
julien leiv – stock.adobe.com
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Studien-Fehlschlag: Rheumamedikament hilft nicht

Eine neue Studie läutet das Ende eines weiteren Covid-19-Therapie-„Hypes“ ein. Laut dem Schweizer Pharmakonzern Roche ist eine groß angelegte Studie mit dem Rheumamedikament Tocilizumab bei Personen mit schwerer Covid-19-Erkrankung fehlgeschlagen.

Weder bei der Mortalität noch beim Verlauf der Erkrankung ergaben sich statistisch signifikant positive Resultate.

Hemmt zu starke Immunreaktion nicht

In einer Aussendung sprach der Konzern am Mittwoch von einem „Update“ zu seiner Phase-III-Studie über die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers Tocilizumab (Handelsname: RoActemra), welcher den Rezeptor für den Entzündungs-fördernden Immunbotenstoff Interleukin 6 (IL-6) hemmt. Die Untersuchung hätte „ihren primären Endpunkt eines verbesserten klinischen Status von Patienten mit Covid-19-Pneumonie oder den sekundären Endpunkt bezüglich einer reduzierten Mortalität“ nicht erreicht.

Das ist im Klartext ein Fehlschlag. Tocilizumab wird seit Jahren sehr erfolgreich bei chronischer Polyarthritis („Gelenksrheuma“) eingesetzt. Die Hemmung von IL-6 bremst wirkungsvoll die bei rheumatischen Erkrankungen bestehende Entzündungsreaktion. Für Covid-19 bestand die Überlegung, dass man mit dem Biotech-Arzneimittel insbesondere bei Schwerstkranken die überschießende Immunreaktion („Zytokinsturm“) hemmen könnte, welche bei diesen Patienten zu einem Multiorganversagen führen kann.

Wirkt nicht besser als Placebo

In der von Roche international organisierten Wirksamkeitsstudie hatten Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstationen mit künstlicher Beatmung entweder Tocilizumab oder ein Placebo erhalten. Solche „Placebo-kontrollierten“ doppelt blinden Untersuchungen (weder Ärzte noch Patienten wissen, ob das eigentliche Medikament oder das Scheinmedikament verabreicht werden) sind der „Goldstandard“ zur Bestimmung, ob ein Medikament hilft oder nicht.

In die Studie wurden 450 schwerkranke Covid-19-Patienten aufgenommen. Nach vier Wochen wurden klinischer Zustand und Mortalität als Parameter analysiert. Dabei zeigte sich zunächst, dass die einmalige Gabe von Tocilizumab auf einer siebenteiligen Skala zum Zustand der Kranken keinen statistisch signifikanten Effekt brachte.

In der Placebo-Gruppe starben 19,4 Prozent der Behandelten. Von den Patienten, welche Tocilizumab bekommen hatten, erlagen 19,7 Prozent der Covid-19-Erkrankung.

Weiterer Fehlschlag

Tocilizumab hatte zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie als einer der Hoffnungsträger für eine wirksame medikamentöse Therapie gegolten. Nach dem Uralt-Malariamedikament (Hydroxy)Chloroquin, das auch von US-Präsident Donald Trump „gehypt“ worden ist, bedeuten die neuen Studienergebnisse einen weiteren Fehlschlag bei der Suche nach wirksamen Covid-19-Medikamenten auf der Basis bereits vorhandener und zugelassener Wirkstoffe.