Autonomie-Aufhebung

Lehrkräfte verlassen Budapester Theater-Uni

Nach der Aufhebung ihrer Autonomie durch die rechtsnationale ungarische Regierung verlassen die besten Lehrkräfte die angesehene Budapester Universität für Theater- und Filmkunst.

Am Dienstag reichten unter anderen die Filmregisseurin Ildiko Enyedi und die Theaterregisseure Tamas Ascher und Viktor Bodo die Kündigung ein. Enyedi hatte 2017 mit dem Liebesfilm „Körper und Seele“ („Teströl es lelekröl“) den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Ascher wird in Ungarn für seine meisterhaften Inszenierungen der Stücke des russischen Autors Anton Tschechow geschätzt. Bodo inszeniert regelmäßig am Volkstheater in Wien, zuletzt Ibsens „Peer Gynt“.

Nur noch Orban-Vertraute

Bereits am Montag waren das Rektorat, der Senat und die Dekanatsleitungen geschlossen zurückgetreten. Studenten und Studentinnen begannen damit, die Universität im Zentrum von Budapest zu besetzen. Am Dienstag übernahm formell ein neues Kuratorium so gut wie alle Leitungsbefugnisse an der Theater-Universität. Es ist ausschließlich mit Personen besetzt, die die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban ernannte.

Treibender Motor der Beseitigung der Universitätsautonomie ist der Präsident des Kuratoriums, Attila Vidnyanszky. Er genießt das Vertrauen Orbans und ist zugleich auch Intendant des Nationaltheaters. Ihm schwebt die Schaffung einer neuen nationalen Kunst vor.

Die Theateruniversität wurde aus seiner Sicht bisher von linken Kräften dominiert, die diesem Vorhaben im Wege stehen würden. Vidnyanszky glaubt außerdem, dass das deutsche Theater einen schädlichen Einfluss auf die ungarische Theaterkultur ausüben würde.