Eine leere Autobahn dazu ein Schild, auf dem steht „Bitte 2 Wochen zu Hause bleiben“
AFP – CHRISTOF STACHE
AFP – CHRISTOF STACHE
Klima

Lockdowns drückten CO2-Ausstoß deutlich

Die Pandemie hat die Welt aus dem Tritt gebracht. Menschen mussten zu Hause bleiben, die Wirtschaft brach ein. Die Folge: Laut einer Studie ging die Menge der CO2-Emissionen um deutlich mehr als eine Milliarde Tonnen zurück – weit mehr als während der Ölkrise 1979 und der Finanzkrise 2008. Aber der Effekt war nur von kurzer Dauer.

Im ersten Halbjahr 2020 seien insgesamt rund 1,6 Milliarden Tonnen oder 8,8 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre gepustet worden als im Vorjahreszeitraum, berichtet das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Zeitreihen zeigten, wie der Emissionsrückgang mit den Lockdowns in den einzelnen Ländern korrespondiert habe. Im April, als die meisten Länder wegen der drastischen Zunahme von Coronavirus-Infektionen ihr öffentliches Leben zurückfuhren, seien die Emissionen den Forschern zufolge sogar um 16,9 Prozent zurückgegangen

Die größten Effekte der Kohlendioxid-Emissionen zeigen sich der Untersuchung zufolge für den Verkehr. Vor allem aufgrund des weit verbreiteten Arbeitens von Zuhause aus seien die CO2-Emissionen im Landverkehr im ersten Halbjahr 2020 weltweit um 40 Prozent zurückgegangen. Der Energiebereich habe mit einem Rückgang von 22 Prozent und die Industrie mit minus 17 Prozent dazu beigetragen. Sogar im Wohnsektor sei der Ausstoß um 3 Prozent gesunken, allerdings wegen des milden Winters auf der Nordhalbkugel.

Geringfügige Auswirkung

Die Autoren weisen darauf hin, dass die meisten Volkswirtschaften nach dem Ende starker Beschränkungen wieder ihr gewohntes Kohlendioxid-Niveau erreicht hätten – bis auf einen anhaltenden Rückgang des CO2-Ausstoßes beim Verkehr. Selbst wenn sie auf ihren niedrigen Werten verharrten, würde sich dies nur geringfügig auf die langfristige CO2-Konzentration in der Atmosphäre auswirken, schreibt das PIK. Nach Ansicht der Forscher gibt es so gut wie keinen Effekt auf die langfristige durchschnittliche Entwicklung der Temperatur.

Die Wissenschaftler fordern als Konsequenz einen Umbau von Industrie und Handel. „Individuelles Verhalten ist sicherlich wichtig, aber worauf wir uns wirklich konzentrieren müssen, ist die Verringerung der CO2-Intensität unserer globalen Wirtschaft“, sagt Co-Autor Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des PIK.

Die Forscher legten Daten aus dem Carbon Monitor zugrunde, einem Forschungsprojekt aus mehreren Ländern. Sie hätten Daten der Stromerzeugung in 31 Ländern, des täglichen Fahrzeugverkehrs in mehr als 400 Städten weltweit, von Passagierflügen und der Industrieproduktion verwendet.