Bündel von Euro-Banknoten
APA/AFP
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Ökonomie

Zwei Krisen mit einer Klappe schlagen

Für die Bewältigung der Coronavirus-Krise investieren Länder weltweit enorme Summen. Wie ein Forscherteam nun zeigt, könnte ein Bruchteil des Geldes dafür verwendet werden, die Wirtschaft anzukurbeln und klimafreundlicher zu machen – international und in Österreich.

12,2 Billionen US-Dollar, also rund 10,4 Billionen Euro wollen Länder weltweit in diesem Jahr im Kampf gegen die COVID-19-Krise ausgeben. Das ergibt sich aus den öffentlichen Zusagen von Regierungsvertretern weltweit, die der Internationale Währungsfonds (IWF) im Laufe der vergangenen Monate gesammelt hat. Wie ein internationales Forscherteam nun zeigt, würde schon ein Zehntel dieses Coronavirus-Budgets reichen, sprich ca. 1,2 Billionen Euro, um den Klimaschutz in diesem Jahr zumindest auf Schiene zu bringen.

Die Investitionen sind keine Frage von „entweder Corona oder Klimaschutz“. Klug eingesetzt können sie bei der Bewältigung beider Krisen helfen, erklärt der Klimaforscher Joeri Rogelj vom Internationale Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg. „Ein großer Teil des Geldes wird in die Wirtschaft fließen, um diese wieder anzukurbeln. Unsere Studie zeigt nun, setzt man genau dieses Geld bestmöglich ein, können wir nicht nur diese temporäre Coronakrise lösen, sondern vielmehr noch die Wirtschaft nachhaltig und resilient gegenüber den Klimawandel machen.“

Grüne Technologie schafft Jobs

Investiert werden sollte die Klima-Billion in den Umbau des Energiesektors – also weg von Energie und Strom aus Gas, Kohle und Öl. Aktuell entstehen dadurch 80 Prozent der Treibhausgase weltweit. Davon könnte neben dem Klima auch die Wirtschaft profitieren. Wie Studien immer wieder zeigen, entstehen mit dem Aufbau grüner Technologien zahlreiche neue Jobs und Wirtschaftszweige.

Für die Kohle-, Gas- und Öl-Industrie gilt es wiederum, die Förderungen zu reduzieren und neue Anreize zu schaffen, damit Firmen ihr Knowhow für klimafreundliche Technologien einsetzen. Als Beispiel nennt Rogelj Öl- und Gasfirmen, die künftig unvermeidbares CO2 aus der Atmosphäre im Boden speichern. Ein Weg, den die norwegische fossile Industrie bereits einschlägt.

CO2-neutral mit sieben Billionen

Eine einmalige Investition von 1,2 Billionen Euro genügt natürlich nicht, um das Pariser Klimaziel zu erreichen. Demnach soll die Klimaerwärmung bei 1,5 Grad Celsius gebremst werden. Wie die Forscher in ihren Berechnungen zeigen, könnte es aber reichen, wenn Länder weltweit diese Summe in den nächsten fünf Jahren jährlich in klimafreundliche Energie und somit in eine nachhaltige Wirtschaft investieren.

Damit wäre der Energiesektor bis 2050 CO2-neutral, so die Forscher. Selbst in diesem Fall würden die Kosten von sieben Billionen noch unter dem diesjährigen Budget bleiben, das aktuell für die Coronakrise bereitgestellt wird. „Teilweise wird Klimaschutz als etwas beinah Unbezahlbares wahrgenommen. Unsere Studie zeigt, Geld ist nicht das Problem. Regierungen haben jetzt die Chance, die Coronakrise zu nutzen, um die Welt auf einen nachhaltigeren und resilienten Weg zu bringen. Sie müssen aber die richtigen Entscheidungen treffen“, erklärt Rogelj.

Geht es nach dem Klimaforscher, sei die EU hier aktuell auf einem guten Weg. „Die EU stellt als Region gerechnet auf das Bruttoinlandsprodukt aktuell am meisten Gelder für die Covid-19-Krise bereit. Das heißt aber auch, die Chancen sind hier am größten für eine Veränderung zu sorgen. Andere Studien zeigen, dass die EU gut darin ist, die Corona-Gelder aktuell für grüne Stimuli zu nutzen.“