SpaceX-Rakete mit Raumkapsel Crew Dragon
AFP/NASA/JOEL KOWSKY
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Raumfahrt

Erster Routineeinsatz für SpaceX-Kapsel

Im Sommer hat „Crew Dragon“ erstmals zwei Astronauten auf einen Testflug zur Internationalen Raumstation (ISS) und zurück geflogen. Nun soll der Regelbetrieb beginnen. Am Sonntag soll die von Space X entwickelte Raumkapsel an Bord einer Falcon 9-Rakete wieder abheben, diesmal sogar mit einer vierköpfigen Besatzung.

Die USA bereiten sich auf den ersten regulären Crewtransport mit den bemannten Dragon-Kapseln von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX vor. „Mit keiner bisherigen Raumkapsel sind je vier Astronauten auf einen Schlag gestartet“, betont Jim Bridenstine, der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA, und blickt dabei zurück auf die Gemini-, Mercury- und Apollo-Missionen der 1960er und 70er Jahre.

Weil der Testflug mit zwei Astronauten im Sommer so gut geklappt hat, verdoppelt die NASA die Crewstärke diesmal. Unter den vier Astronauten ist der erste Afroamerikaner, der für mehrere Monate an Bord der Station bleiben wird, sowie ein japanischer Kollege, der ebenfalls zu einem Langzeitaufenthalt startet.

Die Besatzung der „Crew Dragon“
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Shannon Walker, Victor Glover,Mike Hopkins und der Japaner Soichi Noguchi,

„Wir erhöhen mit diesem Flug die Mannschaftsstärke der Internationalen Raumstation dauerhaft von sechs auf sieben Personen“, so Jim Bridenstine. Damit werde die Besatzung künftig mehr Wissenschaft an Bord betreiben und schnellere Ergebnisse liefern können.

Europa erhält Anschluss im All

Davon wird auch Europa profitieren. Die europäische Weltraumagentur ESA hatte im März ihre Forschungsplattform Bartolomeo ins All gestartet. Sie ist seitdem als eine Art Balkon außen an Europas Raumlabor Columbus befestigt. Nur angeschlossen habe sie seitdem leider noch niemand, räumt Kenny Todd ein, der stellvertretende Chef des ISS-Programms bei der NASA. „Wir werden auf einem Weltraumspaziergang all die Kabel verlegen, die die Europäer für den Betrieb von Bartolomeo benötigen – dann können die Kunden mit Experimenten auf der Plattform beginnen!“

SpaceX-Raumkapsel „Crew Dragon“
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„Crew-Dragon“-Kapsel

Diese „Crew-Dragon“-Kapsel soll noch einen Rekord brechen: Sie wird ein halbes Jahr an der ISS gedockt bleiben. Den bisherigen Langzeitrekord der Amerikaner hält eine Apollo-Kapsel, die in den 70er Jahren gerade einmal halb so lang mit der Raumstation Skylab verbunden war, genau 84 Tage. Die Space Shuttles kamen auf nicht einmal drei Wochen.

Überall „Drachen“

„Wenn diese ‚Crew Dragon‘ an der Raumstation angelegt hat, werden zum ersten Mal zwei ‚Dragons‘ an der ISS gedockt sein – eine bemannte und eine unbemannte“, betont Hans Königsmann, der Vizepräsident von SpaceX. Im kommenden Jahr dann werde ständig mindestens eine ‚Dragon‘-Kapsel mit der Station verbunden sein. Entweder werde sie Astronauten bringen oder Proviant und Nachschub.

Damit die Kapseln auf diesen bevorstehenden Dauereinsatz vorbereitet sind, musste SpaceX einige Modifizierungen vornehmen. Wie schon bei den Space Shuttles hat sich auch hier der Hitzeschild als mögliche Gefahrenquelle erwiesen. Wenn die Kapseln aus dem All zurückkehren zur Erde wird ihre Unterseite auf bis zu 2.000 Grad Celsius aufgeheizt. Beim Testflug im Sommer war von dieser Reibungshitze mehr Material vom Hitzeschild verbrannt worden als erwartet. Die Erosion sei tiefer gegangen als gedacht, muss Hans Königsmann zugeben. Seither habe man den Hitzeschild überarbeitet und robuster gemacht.