An 2,6 Kilometer mächtigen Gesteinsschichten untersuchten die Forscher 12 Millionen Jahre Klimageschichte der nördlichen Arabischen Halbinsel.
Madelaine Böhme
Madelaine Böhme
Paläontologie

Wüsten trieben Menschenvorfahren nach Afrika

Vor über fünf Millionen Jahren haben sich auf der Arabischen Halbinsel Wüsten gebildet. Die extreme Trockenheit trieb laut einer neuen Studie große Säugetiere, darunter auch die Vorfahren des Menschen, aus Eurasien nach Afrika.

Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen rekonstruierten dafür die Klimageschichte der nördlichen Arabischen Halbinsel zwischen zwölfeinhalb und zweieinhalb Millionen Jahren vor der Gegenwart. Dazu untersuchten sie Gesteinsdaten aus Mesopotamien.

2,3 Mio. Jahre Dürre

Die Arabische Halbinsel gilt als Tor zu Afrika und umfasst heute sowohl Wüstengebiete wie die Syrische Wüste und die israelische Wüste Negev als auch feuchtere Steppen und Halbwüsten im heutigen Irak. Für ihre Studie untersuchten die Forscher 2,6 Kilometer mächtige Gesteinsschichten im heutige Iran, am Rand des Zweistromlands beziehungsweise Mesopotamiens.

Dabei entdeckten sie Belege für vier „kurze, nur jeweils wenige zehntausende Jahre“ währende Phasen der Wüstenbildung in Mesopotamien. Diese Phasen wurden jeweils durch Abschnitte mit feuchterem Klima unterbrochen. „Vor 5,6 Millionen Jahren, zeitgleich mit der vorübergehenden Austrocknung des Mittelmeers, kam es in Mesopotamien zu einer 2,3 Millionen Jahre lang andauernden extremen Dürre“, sagt die Studienleiterin Madeleine Böhme. Diese außergewöhnlich langanhaltende Periode mit Wüstenklima habe erst vor 3,3 Millionen Jahren geendet.

Das Vorland des Zagros-Gebirges am Rande Mesopotamiens (heutiger Iran)
Madelaine Böhme
Das Vorland des Zagros-Gebirges am Rande Mesopotamiens (heutiger Iran)

Anders als erwartet, hätten die Wüstenphasen auf der Arabischen Halbinsel nicht mit denen der afrikanischen Sahara übereingestimmt. „Das wechselseitige Entstehen und Vergehen von Wüsten in der Sahara im Norden Afrikas einerseits und auf der Arabischen Halbinsel im Westen Asiens andererseits gleicht einer Art Schaukel, einer Wüstenschaukel“, erklärte Böhme.

Afrika lange abgeschnitten

Das Forscherteam vermutet, dass diese Wüstenbildungen in Mesopotamien die Säugetiere aus Eurasien nach Afrika trieben. In der darauffolgenden „extrem lang andauernden“ Wüstenphase sei der afrikanische Kontinent für 2,3 Millionen Jahre abgeschnitten gewesen. „In dieser Zeit entstand aus den eurasischen Einwanderern die heutige afrikanische Savannenfauna, und die Australopitheciden entwickelten sich, unsere menschlichen Vorfahren“, so Böhme.

Erst als die Wüsten mit der globalen Warmperiode vor 3,3 Millionen Jahren zurückgewichen seien, habe es wieder einen Austausch und Wanderungen zwischen den Kontinenten gegeben. In Afrika seien daraufhin erste Hunde, Schweine und Schafe erschienen. Vorläufer des Mammuts und des Asiatischen Elefanten seien dafür in Eurasien aufgetaucht.

Für die Forscherinnen und Forscher untermauern die Studienergebnisse ihre ‚Out-Of-Europe‘-Hypothese, nach der sich die Vorfahren von Menschenaffen und Menschen in Europa entwickelten, jedoch vor sechs bis sieben Millionen Jahren in Richtung Süden wanderten. Danach habe sich ihre weitere Evolution in Afrika abgespielt. Zum anderen erkläre die Wüstenbildung, warum die Evolution in Afrika in „einer langen Phase der Abgeschiedenheit“ stattgefunden habe.