Die Sängerin Martina Topley-Bird
AFP LEON NEAL
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Wie Konzerte klimafreundlicher werden könnten

Eisenbahn statt Privatjets, kurze Transportwege, nachhaltige Energie an den Locations: Das sind nur einige Vorschläge britischer Forscherinnen und Forscher, um Rock- und Popkonzerte in Zukunft klimafreundlicher zu machen.

Sie basieren auf dem realen Tourplan der Trip-Hop-Band Massive Attack. Auf Wunsch der Musiker untersuchten Forscher der Universität Manchester seit 2019, wie man die Konzerte „dekarbonisieren“ – also dabei weniger schädliche Treibhausgase verursachen – könnte. Nun haben sie die Ergebnisse veröffentlicht.

Verkehr spielt zentrale Rolle

Wenig überraschend spielen Verkehrsfragen dabei eine wichtige Rolle: So sollte die Konzertabfolge generell so geplant sein, dass möglichst kurze Strecken zurückgelegt werden müssen – diese sollten idealerweise per Bahn erfolgen, Flüge vermieden werden. Das gleiche gilt für die Fans, eine Anreise mit dem öffentlichen Verkehr sollte im Kartenpreis beinhaltet sein.

Die oft riesigen Ton- und Lichtanlagen sollten nicht von jeder einzelnen Band mit eigenen LKWs von einer Location zur nächsten gekarrt, sondern fixe, vor Ort befindliche verwendet werden – das würde den LKW-Verkehr reduzieren. Die Konzertstätten sollten außerdem auf erneuerbare Energie setzen und könnten diese zum Teil selbst erzeugen, etwa mit Hilfe von Sonnenkollektoren.

British Trip-Hop band „Massive Attack“
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Massive Attack bei einem Konzert

„Wenn man Live-Musik wirklich dekarbonisieren möchte, muss man schon bei der Planung beginnen“, sagt die Klimaforscherin Carly McLachlan von der Universität Manchester gegenüber der BBC. Dabei ginge es auch um Glaubwürdigkeit und Vorbildwirkung. “Künstler und Künstlerinnen haben eine wirklich tolle Plattform, um über diese Probleme zu sprechen. Sie müssen zeigen, dass sie all diese Dinge selbst machen – sei es, dass sie weniger fliegen oder mit klimafreundlicheren Locations zusammenarbeiten.“

“LKW-Verkehr verrückt“

Robert „3D“ Del Naja von der Band Massive Attack zeigte sich von den Ergebnissen der Studie nicht überrascht – wie man Klimaerwärmung bekämpfe, sei lange bekannt. Plug-and-Play-Konzerte – wo die Bands vor Ort befindliche Technik mieten statt die eigene mitzubringen – gebe es heute schon, aber nicht im großen Maßstab.

„Wenn wir auf Festivals spielen, verwenden wir die gleiche Ausrüstung. Wir gehen auf die gleiche Bühne. Das meiste, was wir verwenden, ist ähnlich. Es klingt verrückt, dass Bands in der Nacht mit den gleichen LKWs und der gleichen Ausrüstung auf den gleichen Autobahnen kreuz- und querfahren – das ist nicht notwendig.“

Massive Attack sprechen sich gemeinsam mit den Forscherinnen und Forschern generell für kleinere Konzerte aus und bekennen sich zu ihrer Verantwortung. „Wir hoffen, dass der Bericht den Startschuss für die Musikindustrie liefert, den Weg in eine dekarbonisierte Welt zu gehen. Wir müssen jetzt handeln“, heißt es in einem Statement der Band.