Erde aus dem All
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Erderhitzung

Klimaschutz: „Nie zu spät zu handeln“

In puncto Klimaschutz sei es „nie zu spät zu handeln“, sagte die Koautorin des neuen Berichts des Weltklimarats, Céline Guivarch. Ein radikaler klimafreundlicher Umbau – etwa in den Bereichen Energie, Verkehr und Landwirtschaft – müsse aber nun endlich in Gang kommen.

Die Koautorin des aktuellen Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC, Céline Guivarch, warnt davor, angesichts der bereits in aller Welt spürbaren Folgen des Klimawandels die Hände in den Schoss zu legen: „Es ist nie zu spät zu handeln“, sagt sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat am dritten Teil des sechsten IPCC-Sachstandsberichts mitgearbeitet, über den das IPCC-Plenum ab Montag berät.

Die groben Linien in dem Bericht zu Maßnahmen gegen die Klimakrise seien bekannt, „es wird keine großen Überraschungen geben“, sagte Guivarch, die am Internationalen Forschungszentrum für Umwelt und Entwicklung (Cired) forscht. Es gehe um eine „Transformation von großer Tragweite in allen großen Systemen: Energie, Verkehr, Infrastruktur, Gebäude, Landwirtschaft und Ernährung“. Dieser radikale klimafreundliche Umbau müsse „ab jetzt in Gang kommen“, wenn das Ziel einer CO2-neutralen Welt bis zum Jahr 2050 noch erreicht werden solle.

„Diskurs der Verzögerung“

Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, müssten die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um fast die Hälfte verringert werden. Bislang steigen die Emissionen aber immer weiter.

Mischwald im Nationalpark Kalkalpen
ÖBf-Archiv/W. Simlinger

Dennoch drückten einige beim Klimaschutz weiter auf die Bremse, so Guivarch. „Man hört praktisch keinen klimaskeptischen Diskurs mehr, aber es gibt diesen neuen ‚Diskurs der Verzögerung‘“, kritisierte die französische Klimawissenschaftlerin. „Sie erkennen an, dass es einen Klimawandel gibt und er menschengemacht ist, aber sie versuchen, minimale Maßnahmen oder Nichtstun zu rechtfertigen“. So werde auf Klimaschutztechnologien in der Zukunft verwiesen oder Staaten oder Unternehmen argumentierten, angesichts ihrer geringen Größe spielten ihre Emissionen keine Rolle.

Russlands Krieg als „Anlass zum Umdenken“

Außerdem gebe es Akteure, die Nichtstun damit begründeten, dass es schon „zu spät“ sei und die Klima-Katastrophe bereits begonnen habe. „Da täuschen sie sich wieder einmal“, sagte Guivarch. Da jeder Bruchteil eines Grads an Erderwärmung die Auswirkungen des Klimawandels verstärke, sei es „nie zu spät zu handeln, weil jede Treibhausgasemission, die vermieden wird, Auswirkungen und Risiken vermeidet“.

Reparatur der Zukunft

Veränderung beginnt im Kleinen, auch wenn sie das große Ganze im Blick hat. Dieser Satz steht für die Ö1-Initiative Reparatur der Zukunft. Ideen zum diesjährigen Schwerpunkt Klimainnovation können jetzt eingereicht werden.

Der derzeitige Krieg Russlands in der Ukraine, der „die große Abhängigkeit von fossilen Energien“ zeige, könne zum Anlass für ein Umdenken genommen werden und etwa Investitionen in fossile Energieträger stoppen, so Guivarch. „Wir sind an einem Scheidepunkt, und je nach den Entscheidungen, die getroffen werden, können wir das Problem des Klimawandels verschlimmern oder im Gegenteil Antworten finden.“

Der IPCC beginnt am Montag seine zweiwöchige Plenarsitzung zur Verabschiedung des dritten Teils seines Sechsten Sachstandsberichts, der sich mit Wegen zur Eindämmung der Erderwärmung befasst. Es geht etwa um Möglichkeiten, von fossilen Energieträgern loszukommen, das Klimagas Kohlendioxid aus der Atmosphäre abzuscheiden oder Finanzströme klimafreundlich umzuschichten. Nach der Plenumssitzung aller 195 Mitgliedstaaten wird der Bericht der IPCC-Arbeitsgruppe III am 4. April vorgestellt.