CT-Scans

Warum gigantische Einzeller stinken

Vor der Westküste Afrikas leben einzellige, gehäusetragende Lebewesen, die bis zu 14 Zentimeter groß werden können. Ein Team hat nun herausgefunden, warum die Foraminiferen der Art „Jullienella foetida“ (lateinisch foetidus: stinkend) stinken: Reste von Zellplasma im Gehäuse dürften die Ursache sein.

Foraminiferen sind einzellige Lebewesen, die häufig von einem festen Gehäuse umgeben sind. Üblicherweise sind sie nur wenige Millimeter groß. Eine Gruppe der sogenannten agglutinierenden Foraminiferen vergrößern ihr Gehäuse, indem sie winzige Sand- und Mineralkörner auf ihrer Oberfläche aufkleben und so mehrere Zentimetern groß werden. Zu dieser Gruppe gehört auch „Jullienella foetida“, die in Wassertiefen von bis zu 100 Metern vor der Westküste Afrikas vorkommen. Weil die 1890 erstmals beschriebenen Organismen bei ihrer Entdeckung einen „übelriechenden Geruch“ verströmten, erhielten sie den Artnamen „foetida“.

Ein internationales Team, dem auch Anna Weinmann vom NHM Wien angehörte, hat nun mit verschiedenen bildgebenden Verfahren Exemplare dieser größten Flachwasser-Foraminiferen untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal „PeerJ“ veröffentlicht. „Solche modernen, dreidimensionalen Aufnahmen erlauben uns, auch das Innere der Gehäuse zu untersuchen und zu verstehen, wie solche großen und trotzdem stabilen Gehäuse aufgebaut sind“, erklärt Weinmann in einer Aussendung.

Zellplasmareste im Gehäuse

Die Aufnahmen zeigen, dass die Gehäuse von internen Trennwänden durchzogen sind. Sie stützen die äußeren Wände und kanalisieren gleichzeitig das Zellplasma der Einzeller. Bei einigen Exemplaren fanden sich auch Reste vom Zellplasma innerhalb der Gehäuse – die wohl für den beschriebenen üblen Geruch verantwortlich sind.

Mikro-CT-Scans von Jullienella foetida. Links: die äußeren Gehäuse, rechts: die inneren Hohlräume ohne die Gehäuse
2022 Langer et al. https://doi.org/10.7717/peerj.12884/fig-4
Mikro-CT-Scans von Jullienella foetida. Links: die äußeren Gehäuse, rechts: die inneren Hohlräume ohne die Gehäuse

Mit Hilfe der Aufnahmen konnte auch die wahrscheinliche Biomasse von „Jullienella foetida“ berechnet werden, die vermutlich zu den größten unter den heute lebenden Foraminiferen gehöre, betonten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Um eine so große Biomasse zu bilden und aufrecht zu erhalten, ist die Art auf entsprechende Nahrungsquellen angewiesen, die sie in den besonders nährstoffreichen Küstenabschnitten des östlichen Atlantiks findet.

Mangels anderer gerüstbildender Organismen wie Korallen stellt „Jullienella foetida“ in ihrem Lebensraum vermutlich den einzigen größeren, festen Untergrund zur Verfügung, der wiederum von anderen Organismen besiedelt werden kann. So spielt die Art eine bedeutende Rolle für die Diversität im lokalen Ökosystem.