Affenpocken, Bluttest
tashmetova808 – stock.adobe.com
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Affenpocken

Impfung soll Stigmatisierung vorbeugen

In Österreich wird bereits gegen Affenpocken geimpft. Bis jetzt nur Gesundheitspersonal und Menschen, die Kontakt zu Infizierten hatten. Demnächst sollen die vorbeugenden Impfungen beginnen. Die Impfung soll auch eine Stigmatisierung der Betroffenen verhindern.

Bis Anfang September wurden in Österreich 273 Fälle von Affenpocken gemeldet. Die Impfempfehlung des Gesundheitsministeriums sieht vor, nur Risikogruppen zu impfen bzw. Menschen, die Kontakt mit einer infizierten Person haben. Denn der Impfstoff ist knapp. Nun hat die Europäische Union weitere Dosen beschaffen können, auch für Österreich.

Gestern hat die EU-Kommissarin für Gesundheit, Stella Kyriakides, verkündet, dass weitere 170.000 Affenpocken-Impfdosen für die Europäische Union gesichert werden konnten. Sie sollen vor Ende des Jahres ausgeliefert werden. Wieviel Österreich davon erhalten wird, ist noch unklar.

Hohe Impfbereitschaft vorhanden

Die Impfempfehlung des Gesundheitsministeriums richtet sich derzeit nur an Risikogruppen: Labor- und Gesundheitspersonal, die mit Affenpocken in Kontakt kommen können sowie Menschen mit individuellem Risikoverhalten. Bei Letzteren handelt es sich um Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, vor allem Männer die Sex mit Männern haben.

Gerade in dieser Gruppe sei die Impfbereitschaft sehr hoch, sagt Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aidshilfe Wien. „Die war auch schon sehr hoch bei den Covid-Impfungen, dementsprechend glaube ich, dass sehr viele ein präventives Impfangebot in Anspruch nehmen werden.“ Die Aidshilfe geht für Österreich von rund 16.000 Menschen aus, die zu dieser Gruppe zählen.

Gefährdete Personen vorreihen

Auch wenn weitere Dosen bis Ende des Jahres geliefert werden, bleibt der Impfstoff knapp. Die Stadt Wien, die bis dato 500 Impfdosen erhalten hat, möchte so bald wie möglich mit den präventiven Impfungen beginnen, heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Man arbeite an einem Vormerksystem, um besonders gefährdete Personen vorreihen zu können.

Eine solche Reihung wäre aus medizinischer Sicht sinnvoll, sagt Christian Posch, Vorstand der Dermatologische Abteilung der Klinik Hietzing: „Diese Reihung hängt wahrscheinlich von Faktoren wie Immunsuppression, hohem Alter oder Vorerkrankungen ab und da wäre es natürlich wünschenswert, wenn man eine gewisse Reihung vorab schafft, damit diejenigen, die die Impfung am meisten brauchen, auch die Impfung bekommen können.“

Dunkelziffer wegen Stigmatisierung

Nachdem die Impfung auch interdermal, also unter die Haut, verabreicht werden kann, können mehr Menschen geimpft werden. Dafür braucht es nur ein Fünftel der Impfdosis, zwei Mal, im Abstand von vier Wochen. Man habe aber denselben Impfschutz, wie bei intramuskulärer Injektion, betont Posch. Bei dieser Verabreichungsart würde das Immunsystem der Haut stimuliert.

Wegen des hohen Übertragungsrisikos bei Sexualkontakten sei es bereits zu einer Stigmatisierung gekommen, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Deswegen seien die präventive Impfung und der Erhalt weiterer Impfdosen wichtig. Wegen der Stigmatisierung gebe es auch eine Dunkelziffer bei den Infektion, sagt Christian Posch. „Hier gibt es die Angst, dass man Outings verursacht, zum Beispiel am Arbeitsplatz und das mit weitrechenden Problemen am Arbeitsplatz einhergehen könnte.“

Diskriminierung zur Anzeige bringen

Auch bei der Aidshilfe Wien melden sich Menschen, die wegen eines Absonderungsbescheides Diskriminierung am Arbeitsplatz fürchten, sagt Brunner. Über den Absonderungsbescheid können Arbeitgeber von einer Affenpockeninfektion erfahren, die Absonderung dauert 21 Tage.

Sollte es hier zu Diskriminierung kommen, kann rechtlich dagegen vorgegangen werden. In Österreich gibt es Gesetze, die jede Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in Beschäftigung und Beruf verbieten. Diskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz kann also zur Anzeige gebracht werden und wird sanktioniert.

Kontakte tauschen und informieren

Die Stigmatisierung kann auch zu Problemen beim Contact Tracing führen. Hier empfiehlt die Aidshilfe, Kontaktdaten mit Sexualpartnern auszutauschen. Damit sich Betroffene, falls sie Namen nicht nennen können oder wollen, gegenseitig über eine Infektion informieren können. „Das kann eine anonyme Emailadresse sein, die man einfach nur für diesen Zweck anlegt“, sagt Brunner.

So könnten Betroffene im Fall eines Kontaktes jedoch schnell informiert werden und eine postexpositionelle Impfung bekommen. Die erfolgt idealerweise vier Tage nach dem Kontakt mit einer infizierten Person, kann aber auch bis 14 Tage danach verabreicht werden.