Forschung

Wie es jungen Physikern in Österreich geht

Der frischgebackene Nobelpreisträger in Physik, Anton Zeilinger, sagte vergangene Woche, er habe es in vielerlei Hinsicht besser gehabt als heutige Jungwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Dass Unsicherheit und Bürokratie zugenommen haben, bestätigen auch zwei junge, erfolgreiche österreichische Physiker.

Er habe einfach drauflosforschen können ohne über den Nutzen Rechenschaft ablegen zu müssen, sagte Anton Zeilinger nachdem bekanntgegeben wurde, dass er den diesjährigen Nobelpreis für Physik erhält (science.ORF.at hat berichtet). Und genau das sei die Voraussetzung für innovative Grundlagenforschung: Die Freiheit, seinen Forschungsinteressen zu folgen.

Auch die 41-jährige Grazer Physikerin Tanja Amerstorfer erzählt im Gespräch mit science.ORF.at, dass sie die Möglichkeit habe, frei zu arbeiten: „Ich überlege mir selbst, an was ich forschen möchte und kann das dann auch so durchführen – vorausgesetzt, dass ich eine Förderung dafür bekomme.“ Amerstorfers – mittlerweile zweites – Projekt am Wissenschaftsfonds FWF zum Thema Sonnenstürme wurde kürzlich bewilligt.

Unsicherheit belastet

Dennoch: Nach vielen Jahren projektbasierter Anstellung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat die Mutter dreier fast aufgegeben, wie sie erzählt. Neben dem FWF-Projekt bekam Amerstorfer nun aber eine unbefristete Anstellung an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

„Wenn das FWF-Projekt nicht bewilligt worden wäre, hätte ich die Wissenschaft wahrscheinlich verlassen“, so die Physikern. “Es ist psychisch sehr belastend, wenn man weiß, man muss alle drei Jahre wieder schauen, dass man irgendwie weiter arbeiten kann“.

Lehre hemmt Forschung

Auch der Physiker und Mathematiker Philipp Haslinger, Ende Dreißig, folgt seinen Forschungsinteressen und ist damit bislang sehr erfolgreich. Er ist Assistenzprofessor an der Technischen Universität Wien und leitet eine Forschungsgruppe am Atominstitut der TU. Davor war Haslinger als Postdoc mehrere Jahre an den Universitäten Berkeley und Stanford in den USA. Zurück in Österreich erwartete ihn eine Menge Bürokratie.

Die Assistenzprofessur ist eine rare und sehr begehrte Stelle, die auf fünf Jahre befristet ist. Danach werde man begutachtet, erzählt Haslinger: „Dazu gehört, dass man eine evidenzbasierte Lehre macht, viel publiziert, externes Funding eintreibt, Projekte macht, Konferenzen organisiert und Studenten betreut.“

Für die eigene Forschung bleibe – momentan jedenfalls – nicht viel Zeit: „Ich habe experimentelle Physik gemacht und ich denke, ich war wirklich gut im Labor. Und jetzt besuche ich das Labor eher, um hier nachzuschauen, ob alles passt und ob meine Studenten noch leben.“

Mehr Sicherheit nach Doktorat gefordert

Haslingers Chancen auf eine unbefristete Stelle stehen gut – viele andere hängen ab dem Doktorat aber endlos in der Luft. Man muss viel publizieren und Ergebnisse liefern, um an Geld zu kommen. Ist ein Projekt bewilligt worden, denkt man schon an das nächste. Mehr unbefristete Anstellungen nach dem Doktorat und die zeitweise Entkoppelung von Lehre und Forschung würden der Grundlagenforschung in Österreich guttun, sind sich Amerstorfer und Haslinger einig.