Der Jakobshavn Isbræ Gletscher liegt nahe dem grönländischen Ilulissat im Westgrönland.
Alfred-Wegener-Institut, Ingo Sasgen
Alfred-Wegener-Institut, Ingo Sasgen

Fachleute: Kippelemente rechtlich schützen

Ein intakter Eisschild auf Grönland, tropische Regenwälder und Dauerfrostböden in kalten Regionen sind für die Bewohnbarkeit der Erde unverzichtbar. Sie sollen deshalb als „planetare Gemeinschaftsgüter“ rechtlich geschützt und überregional verwaltet werden, fordern Fachleute.

Damit könne man für das Klima kritische „Erdsystemfunktionen“ wirksam schützen, so das internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung.

Derzeit gibt es rechtlich festgelegte „globale Gemeinschaftsgüter“ wie die Hohe See, den Weltraum, die Antarktis und die Erdatmosphäre. Sie liegen außerhalb von souveränen Ansprüchen, das heißt, kein Land kann über sie verfügen. „Alle Staaten und Menschen haben ein gemeinsames Interesse daran, sie zum Wohle aller zu schützen und effektiv zu verwalten“, erklären die Rechts-, Politik und Erdwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler um Johan Rockström von der Universität Potsdam in Deutschland in einer Aussendung. Dies sollte auch für „kritische biophysikalische Systeme gelten, die Widerstandsfähigkeit und den Zustand und damit auch die Lebensqualität auf der Erde regulieren“.

„Menschen weltweit betroffen“

Veränderungen bei „Kippelementen des Erdsystems“ wie den Amazonas-Regenwäldern, Eisschilden auf Grönland und der Gletscher, Dauerfrostböden, dem Monsunwind und von Meeresströmungen im Nordatlantik betreffen Menschen auf der ganzen Welt, heißt es in der Studie, die nun im Fachjournal „PNAS“ veröffentlicht wurde. „Man sollte sie als planetarische Gemeingüter betrachten, die der Welt anvertraut wurden und daher einer gemeinsamen koordinierten Steuerung bedürfen“, so Rockström.

Diese „kritischen Regulierungssysteme der Erde werden heute durch menschliche Aktivitäten in einem noch nie dagewesenen Ausmaß unter Druck gesetzt“, erklären die Forscherinnen und Forscher, zu denen auch Nebojsa Nakicenovic vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg in Niederösterreich und der Technischen Universität Wien gehört.

„Unser bestehendes globales Umweltrecht reicht nicht aus, um sicherzustellen, dass die planetaren Belastungsgrenzen nicht überschritten werden“, so Nakicenovic. Deshalb brauche man „dringend planetare Gemeinschaftsgüter als neuen Rechts- und Governance- (Verwaltungs-, Anm.) Ansatz, der die kritischen Erdsystemfunktionen wirksamer schützen kann“.