Planet mit zwei Sternen - fast wie in „Star Wars“

Forscher haben bei einem 1.000 Lichtjahre entfernten Doppelstern erstmals Asteroidentrümmer erspäht - und fühlen sich an den Planeten Tatooine aus „Krieg der Sterne“ erinnert: Der Vergleich wirkt bei näherer Betrachtung etwas bemüht.

Luke Skywalker, der Held aus „Krieg der Sterne“, wurde auf einem Wüstenplaneten geboren, der statt wie üblich um eine, gleich um zwei Sonnen kreist. So besagt es die Legende aus der Feder von George Lucas. Die prominente Vorlage bietet immer wieder Stoff für die Wissenschaft, so etwa kürzlich im Fachblatt „Nature Astronomy“. Da beschreiben Wissenschaftler um Jay Farihi vom University College London das Doppelsternsystem SDSS 1557, bestehend aus einem Weißen und einem Braunen Zwerg.

Sonnen, so wie in der „Star Wars“-Vorlage, sind die beiden nicht wirklich: Weiße Zwerge sind die übrig gebliebenen Kerne eines ausgebrannten Sterns; Braune Zwerge wiederum sind gescheiterte Sonnen, die nicht ausreichend Masse angehäuft haben, um das Kernfusionsfeuer in ihrem Inneren zu zünden.

Planetares Rohmaterial nachgewiesen

Was allerdings ein wenig an Luke Skywalkers Heimatplaneten Tatooine erinnert, ist das, was die Wissenschaftler im Umfeld des Doppelsterns entdeckt haben: Gesteinstrümmer, die vermutlich von Asteroiden stammen und theoretisch zur Bildung von Gesteinsplaneten ähnlich der Erde führen könnten.

„Die Formierung von Gesteinsplaneten um zwei Sonnen ist eine Herausforderung, denn die Schwerkraft beider Sterne kann gewaltig ziehen und schieben und die Gesteins- und Staubstückchen daran hindern, sich zu ausgewachsenen Planeten zusammenzuballen“, sagt Farihi laut einer Mitteilung seiner Hochschule.

Künstlerische Darstellung: Planet mit zwei Sonnen
Lynette Cook / extrasolar.spaceart.org
Wo die Sonne zwei Mal aufgeht: Planet mit zwei Sonnen

Wie die Forscher in ihrer Studie schreiben, regneten mindestens 100 Milliarden Tonnen Material auf den Weißen Zwerg herab - das entspricht einem Asteroiden mit mindestens vier Kilometern Durchmesser. Die chemische Analyse weist in die gleiche Richtung: Elemente wie Silizium und Magnesium sind typisch für Asteroiden wie auch für Gesteinsplaneten.

„Wir kennen Tausende Doppelsysteme wie SDSS 1557, aber dies ist das erste Mal, dass wir Asteroidentrümmer und -verunreinigungen gesehen haben“, sagt Co-Autor Steven Parsons von der Universität Sheffield.

Passende Sonnen, „falscher“ Planet

Eine ähnliche Entdeckung gelang letztes Jahr dem US-Astronomen William Welsh. Er hatte nachgewiesen, dass der Planet Kepler-1647b, gelegen im 3.700 Lichtjahre entfernten Sternbild Schwan, tatsächlich um zwei Sonnen kreist. Auch damals zogen er und sein Team Parallelen zur Weltraumsaga „Star Wars“ - und auch damals passte der Vergleich nur halb.

Zwar sind die Sonnen der unseren durchaus ähnlich, nur ist Kepler-1647b viel zu groß: Er ist ein unbewohnbarer Gasplanet in der Größe des Jupiter, Gestein gibt es dort keines. Fazit: Ein Planet, der sich wirklich mit Tatooine vergleichen ließe, harrt noch seiner Entdeckung.

Robert Czepel, science.ORF.at

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