Tropischer Buntbarsch in deutschem Bach

Auch in Gewässern tummeln sich heute Arten, die von sehr weit herkommen. Forscher haben nun erstmals in Europa afrikanische Marienbuntbarsche entdeckt, in einem deutschen Bach. Vermutlich stammen sie aus einem privaten Aquarium.

Im deutschen Gillbach bei Kölln herrschen beinahe tropische Verhältnisse. Schuld daran ist das Abwasser eines nahe gelegenen Kraftwerks. Das Wasser ist immer angenehm warm, selbst im Winter hat es in der Regel nicht weniger als 19 Grad Celsius, im Sommer bis zu 30 - ein idealer Lebensraum für tropische Arten.

Der deutsche Gillbach
Juliane Lukas

In den letzten Jahren haben sich schon einige hier angesiedelt, z.B. der Gemeine Antennenwels und der Guppy, beide sind eigentlich in Südamerika heimisch. Auch die indische Schokogarnele und die chinesische Rückenstrichgarnele tummeln sich heute im aufgewärmten Gillbach. Die meisten Wasserbewohner sind optisch auffällig und nicht genießbar. Wahrscheinlich wurden sie von Menschen ausgesetzt, in deren Aquarien sie keinen Platz mehr fanden. Die invasiven Arten verändern das natürliche Ökosystem und verdrängen mitunter heimische Tiere und Pflanzen.

Aquakulturen und Aquarien

In ihrer neuen Studie befassten sich die Forscher um Juliane Lukas vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei mit einer weiteren tropischen Fischfamilie, die sich mittlerweile weltweit ausgebreitet hat, den Buntbarschen. Schon 1998 wurden die ersten eingewanderten Arten im Gillbach registriert, unter anderem Oreochromis spp., der auf der ganzen Welt als Tilapia in Aquakulturen gezüchtet wird. Vermutlich ist er auch aus einer solchen in den Gillbach gelangt. Noch eine Art und ein Hybrid aus dieser Gattung leben heute ebenfalls hier, wie die Autoren schreiben.

Marienbuntbarsch Pelmatolapia (Tilapia) mariae
Juliana Lukas
Marienbuntbarsch Pelmatolapia (Tilapia) mariae

Nun haben sie eine weitere Buntbarschart in dem warmen Bach entdeckt, die bisher in keinem europäischen Gewässer registriert wurde: Pelmatolapia mariae, der Marienbuntbarsch aus Westafrika. Laut den Forschern stammt er mit ziemlicher Sicherheit nicht aus einer Aquakultur, sondern aus Aquarien.

Krankmachende Parasiten

Es sei nicht zu befürchten, dass sich die Buntbarsche vom Gillbach aus weiter verbreiten. Er mündet in die Erft und diese wiederum in den Rhein. In diesen kühleren Flüssen würden die Fische vermutlich nicht überleben. Das größere Problem seien krankmachende Parasiten, die von den eingewanderten Tieren auf heimische übertragen werden könnten. Über 50 Prozent der Marienbuntbarsche sind in ihrer Heimat mit solchen infiziert.

Jedenfalls sollten künstliche Warmwassergebiete wie der Gillbach regelmäßig auf eingewanderte Arten und Krankheitserreger kontrolliert werden, empfehlen die Studienautoren. Aquarienbesitzern raten sie, davon abzusehen, ihre überzähligen Haustiere in offene Gewässer zu entlassen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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