Die Erben der Dinos: Frösche

Ein Asteroideneinschlag führte vor rund 65 Millionen Jahren zu einem Massensterben. Damals verschwanden die Dinosaurier von der Bildfläche, doch es gab auch Profiteure: Die Frösche setzten nach dem Armageddon zu einem Höhenflug an.

Forscher schätzen, dass es mehr als eine Million Asteroiden gibt, die potenziell die Erde treffen könnten. Unter Beobachtung stehen bloß 10.000, die restlichen 99 Prozent rasen auf unbekannten Bahnen durchs All.

Volltreffer haben sich im Verlauf der Erdgeschichte jedenfalls einige ereignet - am prominentesten ist wohl jener Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren bei der mexikanischen Halbinsel Yucatán einschlug und das Leben auf den Kontinenten weitgehend auslöschte. 50 Prozent aller Tierarten starben nach einer Periode globaler Finsternis aus, darunter auch die Regenten der Jura- und Kreidezeit, die Dinosaurier.

Die kreative Katastrophe

Eine Studie, erschienen im Fachblatt „PNAS“, wendet nun den üblichen Blick auf dieses Massensterben. Die Katastrophe als kreativer Akt der Evolution - das ist das Leitmotiv im Beitrag von David Wake.

Der Biologe von der University of California in Berkeley hatte 95 Gene von insgesamt 156 Froscharten untersucht und entdeckt, dass ihre molekularen Verwandtschaftslinien genau am Ende der Kreidezeit zusammenlaufen.

Laut Wake und Kollegen ist das kein Zufall: Die Frösche setzten nach dem Massensterben offenbar zu einem ökologischen Erfolgslauf an. Ihre Artenzahl explodierte und mit dieser auch die Diversität der besiedelten Nischen. Laut Analyse ereignete sich das im Kielwasser anderer Pioniere.

Vor allem in Waldgebieten kam es zu dieser Zeit zu einem Umbruch. Wo vorher Nadelhölzer dominiert hatten, breiteten sich nun moderne, blühende Baumarten aus. „Die Frösche begannen auf Bäumen zu leben“, sagt David Wake. „Das ist der Hauptgrund für ihre erolgreiche Ausbreitung, vor allem in Südamerika.“

Von Schwimmern zu Kletterern

Dass die Frösche ihre alte Lebensweise aufgaben und von Schwimmern zu Kletterern wurden, ist aus ökologischer Sicht ein naheliegender Schritt. Bäume bieten Schutz vor Fressfeinden, zu Boden gefallene Laubblätter sind außerdem ideale Refugien für die Fortpflanzung. Und da Laub jede Menge Insekten beherbergt, fehlt es dort auch nicht an Nahrung.

Voraussetzung für den Eintritt in die Vertikale war allerdings eine Vereinfachung der Larvenentwicklung, das Kaulquappenstadium wurde von den Baumfröschen gleichsam eingespart.

Baumfrosch in Großaufnahme
Brian Freiermuth/Univ. of Florida
Dieser Baumfrosch der Gattung „Boophis“ ist nur auf zwei Inseln zu finden: Madagaskar und Mayotte.

Wie Wake und seine Mitarbeiter in ihrer Studie schreiben, hatten insgesamt zehn Froschgruppen das Massensterben überlebt. Drei von ihnen - die „Hyloidea“, „Microhylidae“ und „Natatanura“ - traten als Ahnen der meisten heute 6.700 bekannten Arten in die beschriebe Blühphase ein. Warum gerade diese drei? Wake kann zwischen den Siegern und Verlieren keinen Unterschied erkennen. „Vielleicht war es einfach Glück.“

Aufstieg - und Fall?

Es gibt auch andere Artengruppen, die von dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren profitierten. Das gilt etwa für die Vögel, die einzigen überlebenden Nachfahren der Dinosaurier. Und nicht zuletzt für die Säugetiere: Sie waren am Ende der Kreidezeit - zum Beispiel als kleine Insektenfresser - noch im Rang von Nebendarstellern. Ins Rampenlicht traten sie erst später, so unterschiedliche Lebensformen wie Raubtiere, Wale und Fledermäuse sind in jüngerer Zeit entstanden.

Was das Schicksal der Frösche betrifft, scheint sich nun die Geschichte mit umgekehrtem Vorzeichen zu wiederholen: Nach Ansicht von Ökologen steuert die Natur durch Klimawandel und Habitatzerstörung erneut auf ein Massensterben zu - diesmal allerdings werden die Frösche zu den Verlierern zählen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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