Fäden im Universum
Jeremy Blaizot, SPHINX project
Jeremy Blaizot, SPHINX project
Astronomie

Erster Blick auf uraltes kosmisches Netz

Rund zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall, als das Universum noch relativ jung war, bestand es aus einem Netzwerk aus Gaswolken und Galaxien. Astronominnen und Astronomen gelang es nun erstmals, Bilder der leuchtschwachen Überbleibsel dieses Netzwerks zu machen.

Damit konnten sie die kosmischen Fäden („Filamente“) kartieren, also Millionen Lichtjahre lange, aber schwach leuchtende Gasstrukturen. Gelungen ist ihnen das mit Hilfe des Integralfeld-Spektrographs (MUSE) am Großteleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile, wie das Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP) Potsdam am Donnerstag mitteilte.

Belichtungszeit von mehr als 140 Stunden

Wie die AIP- Forscherinnen und Forscher erklären, ist die Materie im All in einer Art „Netzwerk“ fadenförmiger Strukturen und Knotenpunkten verteilt, innerhalb derer Galaxien entstehen. Auch das Wasserstoffgas zwischen den Galaxien richtet sich entlang dieses Netzwerks aus. Es leuchtet schwach, ist aber extrem schwierig zu beobachten, da es zehn bis zwölf Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Mit dem MUSE-Spektograph in Chile beobachtete das internationale Team unter Leitung des britischen Astrophysikers Roland Bacon nun mit einer Belichtungszeit von mehr als 140 Stunden einen Teil des Universums.

Eines der mit MUSE entdeckten kosmischen Wasserstoff-Filamente, 11,5 Milliarden Lichtjahre entfernt und ausgedehnt über eine Strecke von mehr als 15 Millionen Lichtjahren.
Roland Bacon, ESO and NASA
Eines der mit MUSE entdeckten kosmischen Wasserstoff-Filamente, 11,5 Milliarden Lichtjahre entfernt und ausgedehnt über eine Strecke von mehr als 15 Millionen Lichtjahren.

Die Aufnahmen hätten sogar die des Hubble-Teleskops „entthront“, das bisher die am tiefsten reichenden Bilder des Kosmos geliefert habe, erklärte das nationale französische Forschungszentrum CNRS, wo Bacon Forschungsleiter ist.

Mit MUSE gelang den Forschern auch eine Art Zeitreise: Denn je weiter eine Galaxie entfernt ist, desto näher ist sie zeitlich am Beginn des Universums. Die nun kartierten Gasfilamente entstanden ein bis zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall, aus dem das heutige Universum entstanden ist.