Eine Mutter berührt ihr Baby mit den Fingern
Aditya Romansa/Unsplash
Aditya Romansa/Unsplash
Coronavirus

Kinderwunsch spricht für CoV-Impfung

Es gibt keine Hinweise, wonach die neuen CoV-Impfungen einen Einfluss auf die Fortpflanzungsfähigkeit haben könnten, dennoch halten sich diese Gerüchte hartnäckig. Dabei wird gerade Frauen mit Kinderwunsch die Impfung empfohlen: Immer mehr Daten zeigen, dass schwangere Frauen oft schwerer an Covid erkranken als Nichtschwangere.

Der Impfstoff – so eine der Behauptungen, die in Sozialen Medien und als Gerücht kursieren – könne eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen, die sich nicht nur gegen das Sars-Coronavirus-2 wendet, sondern auch gegen den Eiweißstoff, der an der Bildung der Plazenta in der Gebärmutter beteiligt ist.

Nachdem eine Covid-Erkrankung und die Covid-Impfung eine systemisch vergleichbare Immunreaktion auslösen, sei diese Behauptung nicht nachvollziehbar, sagt die Immunologin Ursula Wiedermann-Schmidt von der Medizinischen Universität Wien.

Keine Daten zu Unfruchtbarkeit

Es gebe überhaupt keine Daten, die zeigten, dass Frauen nach einer Covid-19-Infektion steril geworden wären, sagt Wiedermann. Bei der Impfung würde nur ein Teil-Antigen injiziert, das mache die Behauptung noch unplausibler. Und Petra Pateisky von der Abteilung für Geburtshilfe der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Meduni Wien betont, dass es auch zur Impfung keine Daten geben, die eine solche Behauptung untermauern würden.

„Es gibt keinen einzigen Hinweis aus präklinischen Daten, dass die zugelassenen Impfungen einen negativen Einfluss auf die Fertilität haben könnten“, so Pateisky. Also weder bei den Vortests im Tierversuch noch bei den Zulassungsstudien konnte beobachtet werden, dass Probandinnen nach der Impfung Probleme gehabt hätten, schwanger zu werden.

Proteinaufbau als Erklärung

Die komplexe Erklärung hinter dem Gerücht zur Unfruchtbarkeit bezieht sich auf den Aufbau der bereits erwähnten Eiweiße: Sowohl das Spike-Protein als auch jenes Protein, dass am Aufbau der Plazenta beteiligt ist, weisen Ähnlichkeiten bei der Abfolge der Aminosäuren auf. Ähnlichkeiten, die man im menschlichen Körper bei zahlreichen Proteinen findet, auch in Viren, die Schnupfen verursachen, sagt Wiedermann-Schmidt.

„Das beste Beispiel sind die Rhinoviren, die mindestens genauso viele ähnliche Sequenzabschnitte haben, wie das Coronavirus mit diesem Plazenta-Antigen“, so Wiedermann-Schmidt. Noch nie habe eine Frau nach einem überstandenen Schnupfen, ausgelöst durch Rhinoviren, an Fertilitätsproblemen gelitten, so die Immunologin.

Impfung bei Kinderwunsch empfohlen

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG) empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, um einer Infektion in der Schwangerschaft vorzubeugen. Immer mehr Daten zeigten, dass schwangere Frauen häufiger einen schwereren Covid-Verlauf hätten als Nicht-Schwangere, wie in einer Stellungnahme der ÖGGG zu lesen ist.

Ein negativer Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen wurde bis dato nicht beobachtet. Die Aufklärung zur Impfung sei aber mitunter schwierig, so Pateisky. „Sobald sich Unsicherheit und Angst verbreiten, ist es schwierig, diesen entgegenzutreten, auch wenn die klinischen wissenschaftlichen Fakten keine Anhaltspunkte für diese Bedenken bieten“, sagt die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Das gelte auch für bereits Schwangere.

Bei Risiko Impfung auch in der Schwangerschaft

Die verfügbaren Covid-Impfstoffe seien zwar nicht für Schwangere zugelassen, es müsse aber immer eine Risiko-Nutzen-Abwägung stattfinden, sagt Pateisky. Laut ÖGGG hätten einige unwissentlich Schwangere an den Zulassungsstudien teilgenommen – hier sind keine negativen Auswirkungen bekannt. Risikogruppen, also Schwangeren mit Diabetes, Übergewicht oder zu hohem Blutdruck, kann auch während der Schwangerschaft nach einer ausführlichen Aufklärung eine Impfung nahegelegt werden.