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APA/dpa/Sina Schuldt
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Klimakrise

Technologie alleine wird nicht reichen

Die Klimakrise ohne Verzicht, dafür mit Innovation und Technologie bewältigen zu wollen – das hat Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angekündigt. Eine Aussage, die von Forschern kritisiert wird. Innovation sei wichtig, so der Tenor, doch ohne Lebensstiländerungen sei die Klimakrise nicht zu bremsen – gerade im Bereich des Verkehrs.

Mit Wasserstoff betriebene Lkws und riesige CO2-Sauger, die das Treibhausgas aus der Atmosphäre entfernen sollen, gehören zu den Innovationen, die im Zusammengang mit der Klimakrise oft beschworen werden. Im großen Stil einsatzbereit sind diese Technolologien derzeit allerdings nicht.

Und die Zeit drängt, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Soll die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius beschränkt werden, müsse es sofort zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen kommen, sagt der Klimaökonom Karl Steininger von der Universität Graz.

Keine Wunderwaffe gegen Klimakrise

„Es wird die Wundertechnologie nicht geben, die unser System völlig unverändert lässt und gleichzeitig die Klimakrise bremst“, sagt Steininger. Wegen des Wissens, das es heute aus Jahrhunderten naturwissenschaftlicher Forschung gebe, gelte es, auf Technologien zu setzen, die absehbar sind und damit Treibhausgasemissionen zu reduzieren, so der Klimaökonom weiter. Die könnten allerdings nur Teil der Lösung sein.

Verkehr, Industrie und Energiesektor sollen, den Klimazielen der Europäischen Union folgend, bis zum Jahr 2050 vollständig dekarbonisiert sein, also ohne fossile Energieträger auskommen. Ohne Änderungen des Lebensstils werde das in einem Land wie Österreich nicht möglich sein, wie eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) vor Kurzem zeigte.

Verkehr ist größtes Klimaproblem

So wie in vielen Ländern sei auch in Österreich der Verkehr das größte Klimaschutzproblem, sagt Steininger. Die Emissionen sind in den vergangenen Jahren gestiegen, nicht gesunken und waren sogar im Pandemiejahr 2020 um 55 Prozent höher als 1990. „In Österreich ist der Verkehr für etwa 30 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich, und davon sind ein Drittel Güterverkehr und zwei Drittel Personenverkehr“, so der Klimaökonom.

Damit erreicht man im EU-Vergleich pro Kopf den dritthöchsten CO2-Ausstoß, was Verkehr und Transport betrifft. Innovationen wie Elektromobilität seien wichtig, aber nicht ausreichend, sagt Steininger. Außerdem könne man, gerade im Verkehr, durch weniger Pkws und Lkws auf den Straßen, auch andere positive Umweltziele erreichen, wie gesundheitsschädlichen Feinstaub zu reduzieren und mehr Platz für Grünflächen in Städten zu haben.

Nachhaltige Transformation notwendig

Auch Harald Rieder, Klimatologe an der Universität für Bodenkultur, kennt kein Szenario, in dem technologische Lösungen allein die Klimakrise aufhalten könnten. „Auf Basis der uns vorliegenden breiten wissenschaftlichen Studien ist ganz klar festzustellen, dass innerhalb der momentanen Wirtschaftsweise rein durch Innovation und Technologie die Klimakrise nicht zu bewältigen ist“, so Rieder.

Ohne Lebensstiländerungen werde es nicht möglich sein, die Treibhausgasemissionen ausreichend zu reduzieren. „Das heißt, es benötigt hier eine nachhaltige Transformation, und das bedeutet ja nicht per se ein Zurück in die Vergangenheit, sondern ein Vorwärts in eine nachhaltige Zukunft“, so Rieder. Rieder sieht hier nicht nur enorme Chancen für den Klimaschutz, sondern auch für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich.

Verzögerung wird teuer

Eine Analyse des Wegener Center für Klima und globalen Wandel zeigt jetzt, dass schnell gehandelt werden muss. Je länger gewartet wird, desto teurer wird die angestrebte Klimaneutralität. Und die Studie zeigt auch, dass dieses ohne Veränderungen von Wirtschaftssystem, Verkehr und Gesellschaft Ziel nicht zu erreichen ist.