Zweifel an chinesischem Impfstoff

Studienergebnisse aus Brasilien schüren Zweifel am CoV-Impfstoff des chinesischen Unternehmens Sinovac. Forscher haben neue Daten veröffentlicht, wonach der Impfstoff in einer Studie nur zu 50,4 Prozent wirksam war. Vor einer Woche war noch von 78 Prozent die Rede. Nun wurden auch Probanden berücksichtigt, die trotz Impfung eine „sehr milde Infektion“ entwickelt hatten.

Indonesien hat dem Impfstoff vor Kurzem als erstes Land nach China eine Notfallgenehmigung auf Basis vorläufiger Daten erteilt, die eine Wirksamkeit von 65,3 Prozent zeigten. Türkische Forscher haben aus der Studie mit dem Vakzin in ihrem Land einen Zwischenwert von 91,25 Prozent angegeben. Die Studien in den Ländern seien unterschiedlich gestaltet, aber die getesteten Dosen stammten aus derselben Charge, sagte dazu Sinovac-Chef Yin Weidong. „Die Ergebnisse der Phase-III-Studien reichen aus, um zu beweisen, dass die Sicherheit und Wirksamkeit des CoronaVac-Impfstoffs weltweit gut ist“, erklärte er.

Die indonesische Firma Bio Farma, die an den Studien beteiligt war, wies darauf hin, dass die Daten oberhalb der Mindesteffektivität von 50 Prozent liegen, die die Weltgesundheitsorganisation WHO gefordert hatte. Die indonesische Ärztekammer rief zur Nutzung des Mittels auf. „Wir könnten die hohe Zahl der Todesfälle bei Ärzten und Medizinern reduzieren“, sagte ihr Leiter, Daeng M. Faqih. Daher sollen in Indonesien zuerst die fast 1,5 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen geimpft werden.

Reaktion der Länder

Thailand erklärte, das Land befinde sich trotz der brasilianischen Daten auf Kurs, den Impfstoff ab dem kommenden Monat zu empfangen und zu verabreichen. Malaysia, das sich noch in Verhandlungen über Lieferungen für den Impfstoff befindet, will dagegen den Einkauf nach Angaben eines Ministers nur fortsetzen, wenn das Mittel die heimischen Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards erfüllt. Die klinischen Daten würden vor einer Entscheidung geprüft. Auch Singapur, das einzige einkommensstarke Land – mit dem Sinovac bislang einen Deal abgeschlossen hat – will weitere offizielle Daten vor einer Zulassung abwarten.

Sinovac erklärte unterdessen, seine jährlichen Produktionskapazitäten für den Impfstoff bis Februar auf eine Milliarde Dosen verdoppeln zu können. Bisher seien mehr als sieben Millionen Dosen des Vakzins an Regionen wie Peking und die Provinz Guangdong geliefert worden. CoronaVac gehört zu jenen Impfstoffen, die im Notfallprogramm der chinesischen Regierung bereits Zehntausenden Menschen vor Abschluss der klinischen Studien verabreicht wurden.