Junge Maispflanzen am Feld
AFP/FABRICE COFFRINI
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Landwirtschaft

Mischkulturen sind ertragreicher

Bestimmte Mischkulturen machen Felder ertragreicher und senken den Düngereinsatz. Das könnte die industrielle Landwirtschaft nachhaltiger machen, wie eine neue Studie zeigt. Wissen, das in der ökologischen Landwirtschaft seit Jahrhunderten genützt wird.

Beim Intercropping oder Zwischenfruchtanbau wachsen auf einem Feld gleichzeitig zwei oder mehr Kulturen: Einige Reihen Mais wechseln sich beispielsweise mit einigen Reihen Bohnen ab. Die Pflanzen profitieren vielfach von der Nähe zu anderen Kulturen, die Bodenbeschaffenheit verbessert sich, und die Erträge wachsen.

Weniger Dünger, höhere Erträge

Diese Mischkulturtechnik habe in der konventionellen, intensiven Landwirtschaft vielfach Vorteile, wie eine große Überblicksstudie nun zeigt, die in „Nature Plants“ erschienen ist. Das Team um Chunjie Li von der China Agricultural University in Peking kam zu dem Schluss, dass Intercropping den Verbrauch von Stickstoffdünger in der industriellen Landwirtschaft senken kann und gleichzeitig die Erträge steigen.

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in Wissen Aktuell, am 5.6., um 13.55 Uhr.

Ergebnisse, die den Agrarökologen Michael Hauser nicht überraschen. Er forscht derzeit in Kenia am ICRISAT, einer Forschungseinrichtung, die Lebensbedingung und Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika verbessern möchte. Beim Zwischenfruchtanbau handle es sich um eine alte Technik, die nun von der industriellen Landwirtschaft entdeckt werde. „Das Intercropping haben nicht Wissenschaftler entwickelt, sondern Bäuerinnen und Bauern über viele Jahrhunderte hinweg“, so Hauser.

Altes Wissen neu entdeckt

Im 18. und 19. Jahrhundert sei der Zwischenfruchtanbau auch in vielen Regionen Subsahara-Afrikas weit verbreitet gewesen, so Hauser. Doch die Kolonialherren stellten die Technik unter Strafe, weil sie ihrer Vorstellung einer korrekten Landwirtschaft widersprach. Dabei habe das Intercropping gerade in trockeneren, klimatisch unberechenbareren Regionen entscheidende Vorteile, erklärt Hauser.

Maisfeld
AFP/PHILIPPE HUGUEN
Maispflanzen

Weil sich die Bäuerinnen und Bauern beim Zwischenfruchtanbau nicht auf eine einzige Kultur fokussieren, sinkt das Risiko für komplette Ernteausfälle. Darüber hinaus stehen den Menschen in der Region unterschiedliche Nutzpflanzen und damit Nahrungsmittel zur Verfügung, das verbessert die Versorgung mit Nährstoffen. Das gilt vor allem für Hülsenfrüchte, wie Bohnen oder Linsen, die proteinreich sind und im Zwischenfruchtanbau besser gedeihen.

Vorteile für Biokulturen und Industrie

Durch die Mischkultur haben die Menschen gerade in ärmeren Ländern die Möglichkeit, teurere Produkte wie Hirse anzupflanzen und größere Gewinne zu machen, weil die Risiken eben insgesamt kleiner sind. „Das heißt, Intercropping ist bei Weitem nicht nur vorteilhaft für die industrielle Landwirtschaft, aber die entdecken diese Vorteile eben erst jetzt“, so Hauser.

Laut der Überblicksstudie, die eben nur konventionelle, industrielle Landwirtschaft beleuchtete, waren die Erträge mit Intercropping pro Hektar um 1.500 Kilogramm höher als beim Anbau nur einer Kultur. War Mais in der Mischkultur, war die Ertragssteigerung am größten, hier wurde das Vierfache erzielt im Vergleich zu nur einer Kultur. Zwischenfruchtanbau sei also ein wichtiger Schritt für die konventionelle Landwirtschaft, so Hauser. „Damit sind wir am richtigen Weg, wir sind aber noch weit entfernt von den Kriterien der ökologischen Landwirtschaft“, betont der Agrarökologe.