Fachjournale in einer Bibliothek
©salita2010 – stock.adobe.com
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Sozialwissenschaften

Der hohe Preis des Publizierens

Private Wissenschaftsverlage stehen schon länger in der Kritik, denn sie profitieren massiv von öffentlich finanzierter Forschung. Ökonomen der Universität Linz haben jetzt analysiert, wie viel Geld in Österreich im Bereich der Sozialwissenschaften zu den Fachzeitschriften wandert.

Bis zu 103 Millionen Euro flossen 2019 in den Sozialwissenschaften von der öffentlichen Hand über direkte und indirekte Wege an private Verlage. Zu diesem Ergebnis kommen die Ökonomen Stephan Pühringer, Johanna Rath und Teresa Griesebner von der Universität Linz nach Abschluss ihres vom Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Projektes.

Inhalte, Gutachten und Zugang zu Wissen

Private Wissenschaftsverlage profitieren in mehrfacher Hinsicht von öffentlich finanzierter Forschung: Die Forschenden, die publizieren und die Gutachterinnen und Gutachter, die Studien bewerten und für den Peer Review-Prozess verantwortlich sind, arbeiten hauptsächlich an öffentlichen Universitäten und Forschungsinstituten. Das heißt, die Verlage zahlen weder für die Inhalte noch die Gutachten der Fachkollegenschaft.

Hinzu kommen die Kosten für den Zugang zu diesen Forschungsergebnissen. Veröffentlichen die Fachzeitschriften mit „Open Access“, hat die Öffentlichkeit zwar Zugang uneingeschränkt Zugang dazu, die Publikation kann aber tausende Euro kosten. Bei klassischen Journals müssen Universitäten wiederum hohe Summen für Zeitschriftenabonnements entrichten, um zumindest Studierenden und Forschenden Zugang zu den Publikationen zu ermöglichen.

Größter Anteil über indirekte Wege

In der Fallstudie wurden Geldflüsse über diese vier Kanäle identifiziert: Einnahmen der Verlage durch Abo-Gebühren von wissenschaftlichen Bibliotheken bzw. Einreichungs- und Open-Access-Gebühren machten zusammen bis zu 13 Millionen Euro pro Jahr aus. Der größere Teil fließe aber indirekt in die Verlage, über die Forschenden, die die Inhalte produzieren und die Publikationen begutachten, erläutert Pühringer gegenüber science.ORF.at.

„Diese Forschenden übernehmen damit quasi die Qualitätssicherung für den Verlag“, so der Ökonom. So erhielten die Verlage abermals Zugang zu einer öffentlich finanzierten Leistung. Diese Gutachten und die kostenlose Bereitstellung von Forschungsergebnissen, die den größten Posten ausmacht, beziffern die Ökonomen mit bis zu 90 Millionen Euro – und das allein in den Sozialwissenschaften, die in Österreich nur ein Sechstel des Wissenschaftssektors ausmachen.

Besserer Zugang durch Open Access

Mit Gewinnspannen von bis zu 40 Prozent zählen Wissenschaftsverlage zu den weltweit profitabelsten Unternehmen. Der Plan S, der seit 1. Jänner 2021 in Kraft ist, sieht vor, dass wissenschaftliche Artikel, die in Europa mit öffentlichen Forschungsgeldern erarbeitet wurden, online frei zugänglich sein sollen. Die privaten Verlage verdienten zwar noch immer am öffentlich finanzierten Wissenschaftssystem, resümiert Pühringer, die Inhalte seien nun aber zumindest der breiten Öffentlichkeit zugänglich.