FFP2-Masken in Plastik eingehüllt
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl

Neue Varianten, Infektionszahlen steigen

Die Coronavirus-Infektionszahlen steigen wieder – nicht zuletzt wegen neuer Varianten. Das spiegelt auch das SARI-Dashboard wider, das über stationäre Spitalsaufnahmen mit Atemwegserkrankungen informiert. Experten sind derzeit aber noch nicht beunruhigt. Die Situation heute sei nicht mehr vergleichbar mit jener in den Jahren 2020 und 2021.

„Wenn wir sehen, dass derzeit die Corona-Infektionen wieder zunehmen, so ist dies stark auf die neuen Varianten zurückzuführen“, so Komplexitätsforscher Peter Klimek. Der Forscher vom Complexity Science Hub Vienna und der Medizinischen Universität Wien, macht für das jüngste Aufflammen des Infektionsgeschehens vor allem neue Varianten wie etwa EG.5, auch Eris genannt, verantwortlich. International ist auch das in Österreich bisher noch nicht nachgewiesene BA.2.86, eine auch Pirola genannte Omikron-Subvariante eine neue Kraft beim Infektionsgeschehen.

Aber: „Wenn es um den Schaden geht, den das Virus anrichten kann, ist die Situation heute nicht mehr vergleichbar mit jener Situation in den Jahren 2020 und 2021“, so Klimek. Man sei nun in einer Phase, „wo wir alle paar Monate deutliche Infektionswellen sehen. Nach einem ruhigen Sommer geht es wieder los.“ Die neuen Varianten hätten „relativ schnell relativ große Zuwächse gezeigt.“ Genauere Aussagen seien aber schwer zu treffen, da das Monitoring „aus guten Gründen“, nämlich dem reduzierten Risiko, nicht mehr so engmaschig sei.

Hospitalisierungen wieder angestiegen

Die Hospitalisierungen sind jüngst auch in Österreich wieder angestiegen und lagen laut SARI-Dashboard zuletzt bei etwa 155 verzeichneten stationären Aufnahmen in Kalenderwoche 34 (gegenüber 37 in KW 28). Die Zahl der Covid-19-Patientinnen und -Patienten in Spitälern sei auf einem „niedrigem Niveau“ im Vergleich zu 2020 und 2021, sagte Klimek.

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir durch Covid alleine wieder in Spitalsbelastungen kommen, wie wir es in den ersten zwei Jahren der Pandemie hatten.“ Daran änderten auch die neuen Varianten nichts. Auch wenn die in Abwasseranalysen erhobene Virenfracht, die auf Coronavirus-Infektionen hinweisen, im Zuge der vergangenen Wellen relativ hoch gewesen wäre, würde diese in einem viel geringeren Ausmaß in schwere Erkrankungen übersetzt.

„Individuelle Risikoeinschätzung“

Nach wie vor gelte laut Klimek, dass je mehr Risikofaktoren zusammenkommen und je länger die letzte Immunisierung her ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man selbst erkrankt. Das sei mehr eine individuelle Risikoeinschätzung, die man hier zugrunde legen sollte. „Man sollte einfach weiterhin verantwortungsvoll damit umgehen, wenn man Symptome hat, wenn man niest, hustet.“ Es brauche aus epidemiologischer Sicht keine breiten Maßnahmen bzw. Verordnungen, die „auf alle Personen abzielen, also auch auf diejenigen, die etwa keine Symptome haben und die nicht regelmäßig engen Kontakt mit besonders schützenswerten Personengruppen haben“.

Das Tragen von Masken sei unverändert dann gut, wenn man sich in jenen Situationen befindet, wo Viren auch schnell übertragen werden, also etwa bei engem Kontakt. Es sei aber zu früh um einzuschätzen, „was uns da im Herbst wirklich bevorsteht, etwa in den Spitälern oder in Altersheimen als Hotspots und Hochrisikobereiche“. Hier könnten dann gegebenenfalls wieder Maßnahmen wie vermehrtes Testen, wie es teilweise schon jetzt praktiziert wird, sinnvoll sein.

Auch schwere Verläufe möglich

Virologe Andreas Bergthaler von der Medizinischen Universität Wien und dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeigte sich ebenfalls wenig überrascht: Das SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen nehme zu, wie das bisher in jedem Herbst der Fall gewesen sei – wohl auch zusätzlich befeuert durch den Schulbeginn und andere Faktoren, so Bergthaler gegenüber der APA.

Die Variante Eris sei mit über 40 Prozent in den vergangenen Wochen die dominante Variante in Österreich- wie auch in vielen anderen Ländern. „Es gibt bei dieser Variante keine Anhaltspunkte, dass sie grundsätzlich gefährlicher ist als andere Varianten.“ Vereinzelt seien aber bei erhöhtem Infektionsgeschehen wieder schwerere Verläufe wahrscheinlich. „Der große Unterschied zu 2020 ist, dass das Immunsystem bei den meisten mittlerweile durch Impfungen oder auch natürliche Infektionen gut trainiert ist, weshalb eher eine geringe Anzahl an schweren Verläufen in der Bevölkerung zu erwarten ist. Darüber hinaus können wir das Covid-Risiko besser einschätzen, wenngleich es weiterhin wichtige offene Fragen gibt, gerade zu postviralen Problemen wie Long Covid.“

Die Variante Pirola könne künftig noch eine Rolle spielen, „aber es spricht einiges dafür, dass diese Variante weniger infektiös ist als angenommen und nicht ganz so starke Immunfluchteigenschaften hat.“ Zudem würde der an die dominierende Variante Omicron XBB.1.5 angepasste Impfstoff auch Pirola „relativ gut“ abdecken. Es gebe zum jetzigen Zeitpunkt „kein großes Erregungspotenzial“: „Das Virus verändert sich, wir haben eine Immunität, gleichzeitig geht es gen Winter und die Infektionszahlen werden steigen.“